Dienstag, 15. Februar 2011

Bin ich anstrengend?

Ehrlich gesagt, manchmal fühle ich mich in der Internetpartnerbörse ja schon verarscht. Da schreibt mich jemand an, den ich nicht unbedingt in die Kategorie Traumprinz einsortieren würde, erklärt mir in ellenlangen Mails ausführlich, warum ich toll bin und dann, krawumm: Abschied.
Abschied funktioniert bei Parship so, dass man, wenn man jemanden leid ist, ohne weitere Erklärung auf einen Button drückt und tschüss. Man kann niemals wieder Kontakt aufnehmen. Arrivederci und aus. Das ist so ähnlich wie bis in alle Ewigkeit das letzte Wort haben. Ich verwende diese Funktion ausschließlich sofort, wenn mich wer anschreibt und ich weiß gleich, dass das nicht passt. Jemanden auf diese Weise zu verabschieden, mit dem ich mehrere Nachrichten getauscht oder den ich gar getroffen habe, fände ich enorm unhöflich. Aber jetzt, nach dem vierten Mal, stelle ich fest, dass Männern die Bedeutung des Wortes un-höf-lich scheinbar nicht bewusst ist.
Da war zum Beispiel der Journalist, den ich getroffen habe. Ganz nett, aber optisch, wie soll ich es un-höf-lich sagen, ein eher wenig stattlicher Mann von geringer Ausstrahlung. Nach seinem bewundernswert ehrlichen Statement "Meine Freunde sagen, ich werde nie eine Frau finden, wenn ich immer so klammere" waren bei mir alle Fluchtinstinkte geweckt. Aber habe ich den Button gedrückt, um ihn schnellstmöglich in die Weiten des www zurückzuschicken wo er herkam? Nein. Er tat es. Mit einem mickrigen "Tut mir leid!" als Erklärung.
Dann der Internetkundenbetreuer, mit dem ich, ohne ihn zu kennen, gleich virtuell den ersten Streit hatte. Es ging um die Katze im Bett. Da war die Überraschung nicht groß, als er mich verbuttonisierte, aber trotzdem wünschte ich, un-höf-licherweise, ich wäre schneller gewesen.
Kurz darauf der Graphiker, dem ich vorsichtshalber gleich eine Liste mit all meinen schlechten Angewohnheiten schickte und der darauf beängstigend überschwänglich meinte, dass er am liebsten jetzt sofort bei mir wäre. Als ich, von so viel Nähebedürfnis überfordert, zwei Tage lang nicht antwortete, verabschiedete er sich gekränkt mit "Es lag wohl an meinem Foto. Keine Antwort ist auch eine Antwort." Un-höf-lich gesagt, ja, stimmt, das Foto war echt ziemlich langweilig.
Und jetzt, als Krönung, der Museumsregistrar mit den endlos langen Nachrichten, der, nach einem Blick hier in meinen Blog verängstigt fragte "Sag mal, bist du anstrengend oder kann man mit dir auch in Ruhe relaxen?" Tja, scheinbar bin ich zu anstrengend, denn er drückte das Knöpfchen überhaupt ohne weiteren Kommentar. Und das nach gefühlten eine Million Worten seinerseits, mit denen er versuchte, mich irgendwie für seine Welt passend zu schreiben, was, un-höf-lich gesagt, ohnehin zwecklos wäre. Allein die Vorstellung von gemeinsamen Relaxstunden verursacht mir Magenbeschwerden. Wenn ich relaxen will, kann ich das viel besser mit der Katze und einem guten Buch. Oder im Dampfbad. Mit einem Mann will ich etwas erleben, der muss mich fordern und ich muss ihn bewundern können.
Aber gut, man lernt ja aus allem im Leben etwas, nicht wahr? Wie schrieb Joseph Joubert so schön? "Höflichkeit ist die Blüte der Menschlichkeit. Wer nicht höflich genug ist, ist auch nicht menschlich genug." Ein kluger Mann, von dem sich seine modernen Geschlechtsgenossen eine Scheibe abschneiden könnten.


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6 Kommentare:

Eponine hat gesagt…

Das wird immer interessanter. Wenn du weiter so schreibst, schau ich da auch noch vorbei. ;)
Dieser Button klingt vorallem gut. Da wüsst ich auch was zum wegklicken.

Claudia Toman hat gesagt…

Ja, vielleicht sollte man so einen Button im realen Leben einführen. Jemand nervt. "Ich verabschiede dich!" "Aber..." "Nichts aber. Du kannst nicht mehr mit mir reden. Du bist verabschiedet", das alles untermalt mit einer wischenden Handbewegung. Verlockend! ;-)

SOLEILrouge hat gesagt…

Claudia, ich LIEBE deine Posts!!!
Köstlich geschrieben und ich kann es mir sooo gut vorstellen wie das da "abgeht". Habe überhaupt keinen Bock mehr mich in die virtuelle "Par*ship/Friend*scout/oder-wie-auch-immer-genannte"-Parner-Vermittlungswelt zu begeben... 98% "Nieten" -> Lügner, Ungeduldige, Besserwisser, Heuchler!!! Nee, sowas braucht frau doch nicht wirklich, oder? ;-)
Liebe Grüße,
SOLEILrouge :-)
(die du aus R&M bei XING kennst! ;-))

Myriam hat gesagt…

Schön ist auch der "Flirtkontakt" bei Friendscout24, wo man als nicht zahlendes Mitglied nur 5 vorgegebene Sätze zur Auswahl hat, um jemanden anzusprechen. Du sagst: "Verrate mir mehr von dir." und es kommt als Antwort, ebenfalls standardisiert, zurück: "Danke, ich bin leider nicht interessiert."

Claudia Toman hat gesagt…

Ja, Friendscout ist ein Fall für sich. Da kann man virtuell Kontakt haben ohne je eine Zeile selbst verfasst zu haben. Was angesichts der Rechtschreibung mancher Männer wohl auch besser ist. ;-)
Ich bin sicher naiv, aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass es in den Weiten der Internetpartnerbörse jemand ähnlich erfolglos versucht, mich zu finden. Mit dem Charme von James Bond, der Heldenhaftigkeit von Batman, dem Humor von George Clooney, dem Intellekt von Bill Denbrough und dem Mund von Johnny Depp. Oder so ähnlich. ;-)

lg Claudia

Enpunkt hat gesagt…

Puha. Da bin ich ja glatt froh, dass ich seit Jahren in »einer festen Beziehung« bin. Noch aus Zeiten, als Internet noch was größtenteils unbekanntes war ...

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