Samstag, 31. Dezember 2011

Happy New Year!



Donnerstag, 29. Dezember 2011

Einfach glücklich...

"Ich hab geweint, ich hab gelacht. Und endlich rausgefunden, was mich schöner macht."



Mittwoch, 28. Dezember 2011

Etwas muss auch mal gesagt werden...

I'm a believer!!! ;-)



Dienstag, 27. Dezember 2011

Philipp Bobrowski - Das Lächeln der Kriegerin



"Manchmal scheint es keinen richtigen Weg zu geben. Dann bleibt dir nur, dich mit Herz und Verstand für den besseren zu entscheiden." 

Das Mädchen, dessen Entwicklung im Mittelpunkt dieses Romans steht, muss lernen, dass alles seinen Preis hat. Lothiel, die fünfzehnjährige Tochter von Adar und Naneth, gerät mitten in der Unschuld ihrer Kindheit in den großen Krieg um Laindor, als sie Rochon, Bote aus der Grenzfeste, verwundet in der Nähe des Hofes ihrer Eltern findet. Mutig übernimmt sie selbst dessen Auftrag, die Botschaft über den Angriff des Feindes zur Königin zu bringen. Und wächst dabei über sich hinaus.
Was diesen Roman aus der Masse der Fantasyliteratur hervorhebt, ist mit Sicherheit die immer im Raum stehende Frage nach Recht und Unrecht. Ein junges Mädchen sieht sich mit der Notwendigkeit konfrontiert, durch die Zwänge des Krieges zur Mörderin zu werden. Doch ist diese Notwendigkeit nicht etwas, das sie fraglos akzeptiert. Denn auch in den Gesichtern der Feinde stecken Menschen, auch im Bedürfnis, eigene Verluste zu rächen, steckt der Zweifel daran, ob einem das das Recht gibt, anderen Verluste zuzufügen. Der Autor macht das durch die Augen Lothiels wunderbar deutlich, lässt sie mal lächelnd im Blutdurst zur Kriegerin werden und im nächsten Moment über die eigenen Taten erschrecken. Das alles gelingt ihm mit einer flüssigen, geradlinigen und trotzdem äußerst gewählten Sprache. Die vielen Figuren überfordern nie, weil man die immer in Beziehung zur Hauptfigur Lothiel kennenlernt und sehr schnell sehr plastisch vor Augen hat, ebenso wie das Land Laindor.
Was ich kritisch anmerken würde ist, dass sich die Geschichte ruhig mehr Zeit nehmen dürfte. Besonders in der ersten Hälfte geht es mir persönlich oft zu schnell und einfach, da hätte es ruhig noch Hindernisse und Irrtümer geben dürfen, an denen die Heldin wachsen kann. Ab der Mitte finde ich das ausgeglichener, da hat die Geschichte mehr Raum. Arminas, die Königsstadt, ist liebevoll beschrieben und es ist angenehm anders, mal sowohl weibliche als auch männliche Helden Seite an Seite kämpfen zu sehen. Insgesamt hätte der Roman aber ruhig um ein gutes Drittel länger sein dürfen. Aber abgesehen davon habe ich mich blendend unterhalten, in Rochon auch eine neue Fantasylieblingsfigur gefunden und bin sehr gespannt auf weitere Romane von Philipp Bobrowski.


Montag, 26. Dezember 2011

Virtuelle Menschen

Eine Frage, die mich seit kurzem beschäftigt, ist die nach der Realität von Virtualität. In letzter Zeit häufen sich die Meldungen von frustrierten Facebookusern, Twitterern, Youtubern und Bloggern, die sich nach mehr Realität sehnen und ihre Accounts löschen, weil ihnen das Internet zu virtuell ist. Bedenklich stimmt, dass das Internet ja nie etwas anderes als virtuell war. Wir haben es also mit lauter freiwilligen Virtuellen zu tun, die eines Tages plötzlich draufkommen, dass sie gar keine fünfhundertachtundsechzig Freunde haben, sondern, wenn sie ihr Telefonverzeichnis durchgehen, um jemanden auf einen Kaffee zu treffen, die Auswahl zwischen Mutti, dem Installateur und dem Take-Away-Chinesen haben.
Aber ist das tatsächlich ein Problem der virtuellen Welt? Ich selbst habe Facebook ja sehr lange verweigert, bin relativ spät in soziale Netzwerke eingestiegen, MySpace, StudiVZ, das ist alles an mir vorüber gezogen. Trotzdem sind einige meiner allerbesten Freunde Menschen, die ich möglicherweise ohne das Internet nicht kennengelernt hätte. Aber ich persönlich zähle jemanden erst zum Freundeskreis, wenn wir mindestens einmal zusammen Tränen gelacht oder Tränen geweint haben. Und das Internet hat ja viel zu bieten, aber keine echten Tränen. :,-( und *rotfl* zählen nicht. Unterm Strich geht es um das Gefühl, das man hat, wenn man jemandem in die feuchten Augen schaut oder der Klang seines Lachens hört.
Ich behaupte also, dass die Virtualität ein klarer, stiller See ist. Sie spiegelt die Realität, so lange man von außen drauf blickt, ohne zu viele Wellen zu schlagen. Dann kann man sie nutzen, um darin zu fischen, oder auf einer Luftmatratze liegend in die Sonne zu schauen. Taucht man jedoch zu tief ein oder schwimmt ununterbrochen weite Strecken, verzerrt sich das Bild und man sieht nur noch den eigenen sich fortbewegenden Körper. Keine Spiegelung des Himmels und der Sonne mehr. Jeder weiß, dass das eine Grenze ist. Denn wer draußen am Ufer steht, findet das Wasser kalt und wer im Wasser hockt, will nicht nach draußen an die kühle Luft. Der See trägt aber daran keine Schuld. Es ist der Mensch, der schwimmen geht, es ist die individuelle Entscheidung, die Realität und Virtualität verschmelzen lässt.
Es gibt Momente im Kreis meiner liebsten Freunde, wo ich mich unendlich reich beschenkt fühle. Es gibt Umarmungen, die noch Tage später in meinem Herz gespeichert sind, der Klang gemeinsamen Lachens, das Nebeneinandersitzen wenn auf der Bühne echte Menschen Welten mit ihren Stimmen erzeugen. Ich habe mich ja schon oft gefragt, was das Theater neben 3D-Kino am Leben erhält. Und da sind wir der Lösung schon verdammt nahe. Die Aura ist es. Die Aura, die ein Mensch um sich hat. Diese Aura verschwindet nicht im virtuellen Raum oder auf der Kinoleinwand. Aber spüren, einatmen und energetisch wahrnehmen kann man sie nur in der Realität.
Für mich ist das Internet mit seinen Möglichkeiten einfach ein Dienstleister. Facebook ist ein höchst modernes Kommunikationsmittel, Videotelefonie ein Segen in einer immer offeneren Welt der Distanzen, Youtube ein cooler Service, Online-Shopping eine Alltagserleichterung und dieser Blog eine Sammlung von Gedanken und Neuigkeiten. Nicht mehr und nicht weniger. Ich bin viel im Internet. Aber es ist für mich eben nur das Internet. Und wenn sich der Bildschirm ausschaltet, spiegelt sich in ihm das, was real ist. So einfach ist das.


Sonntag, 25. Dezember 2011

Der kleine Friedrich



Ich habe lange überlegt, ob ich dieses Stück Geschichte mal in meinen Blog hole und euch zeige, was die allererste Story war, die ich in großem Rahmen erzählt habe. 2006 fragte mich mein guter Freund und Kollege Janko, ob ich mir vorstellen könnte, aus Mozart-Liedern eine kleine Geschichte zu basteln, die dann von den Kindern der Opernschule bei der Matinee auf der großen Bühne aufgeführt würde. Anlässlich des Mozartjahres. Ich konnte und wollte. Hier ist dieses kleine Stück meiner liebevollst im Herzen bewahrten Vergangenheit zu sehen, samt dem dazugehörigen unfassbaren Making-Of. So viele Erinnerungen. Gute und schlechte. Der alte Mann mit den weißen Haaren und der gigantischen Unverfrorenheit. Der steinerne Blick von Lady Grey bei 22:07. Der verdammte Kaugummi. Meine Wut im Bauch, die mir aus den Augen blitzt und zugleich der Löwinnenkampf. Das Gefühl, mich auf der gigantischen Bühne zu verbeugen. Wie nackt ich mich gefühlt habe, die Hand, die mich geschoben hat, von Anfang bis Ende. Und das Gefühl, dass zusammen alles möglich ist. Diese Geschichte war mein erster Erfolg. Und ich stehe auch heute noch stolz hier und hätte es um nichts in der Welt missen wollen.


Freitag, 23. Dezember 2011

Frohe Weihnachten!


Zu wünschen!

Trag deine Wünsche
Nicht in einem großen Korb
Auf dem Rücken
Wo sie dir als Last
Auf die Schultern drücken!

Nimm deine Wünsche
Ganz vorsichtig an der Hand
Lass dich führen
Sei du der Schlüssel
Zu all deinen Türen!

Halt deine Wünsche
Nicht in dir gefangen
Betrachte sie von außen
Leg sie auf die Zunge
Und küss sie nach draußen!

Morgen ist nichts anderes
Als der erste Tag
An dem alles beginnt
Und alles möglich ist.
Du brauchst es dir nur...

Ich wünsche allen Besuchern dieses Blogs von Herzen ein frohes Weihnachtsfest und ein gutes neues Jahr!
Alles Liebe, Claudia


Mittwoch, 14. Dezember 2011

+++Theaterkritik+++ Ramin Karimloo ist Jean Valjean


Die wichtigste Frage lautet: Kann Ramin alles? Denn nach seinen riesigen Erfolgen als Phantom der Oper in Webbers gleichnamigem Musical, im Sequel Love Never Dies und beim gigantischen 25th Anniversary Concert in der Royal Albert Hall übernimmt er die Hauptrolle in Les Misérables. In dem Musical, in dem er vor Jahren das Handwerk gelernt hat und als Enjolras aufhorchen ließ. Die Rolle des Studentenführers sang er im Herbst 2010 auch beim 25jährigen Jubiläumskonzert im O2. Und nun ist er der neue Jean Valjean des West End. Ich muss zugeben, so sehr ich Les Mis immer geliebt habe, so wenig war ich von Valjean fasziniert. Javert, der große Antagonist, Enjolras, der junge Held, Grantaire, der philosophische Trinker, Eponine, die tragisch Liebende, das waren meine Figuren. Zu Valjean bin ich lange nicht durchgedrungen. Eigentlich bis ich Drew Sarich in der Rolle gesehen habe. Er war der Erste, der ihn nicht als akut Heiliggewordenen angelegt hat, sondern als wilden, weltfremden, gezeichneten Strafgefangenen, bis zum Ende. Nie vorher und nie nachher hat es jemand in dieser Perfektion geschafft, mich von einer Figur hundertprozentig zu überzeugen.

Und jetzt übernimmt Ramin von Alfie Boe, der zwar eine Opernstimme aber kaum Schauspielbefähigung besitzt und Jonathan Williams, der wiederum nicht meine weltliebste Stimme hat, aber ein ungeheuer feinfühliger, echter Darsteller ist. Mein erster Gedanke war: Für diese Rolle ist Ramin überqualifiziert! All die faszinierenden Details seiner Gestik, die Disziplin seiner Charakterzeichnung, die Präzision der Momente, all das ist bei Valjean eigentlich überflüssig. Weil Valjean fast nur über die Emotion funktioniert. Aber was tut Ramin? Das, was er am besten kann. Er nutzt detaillierte Gestik, disziplinierte Charakterzeichnung und präzise Momente FÜR die Emotion. Und macht damit schon wieder alles richtig.

"An der Gestaltung von Valjean ist wichtig, dass er zwar erlöst ist, aber nie ausruhen kann, immer am Sprung bleibt", sagt Ramin selbst über Valjean. Und trifft damit ins Schwarze. Wie immer bei Ramin sind es die Details, auf die es ankommt. Wie er bei der ersten menschlichen Berührung durch den Bischof wie vom Blitz getroffen wegzuckt und ihm dafür ein "forgive me!" zuflüstert, als er ihn vor den Polizisten rettet. Das Misstrauen, das ihm bleibt. Er wirft den Thénardiers den letzten Geldschein nicht hin, sondern rückt ihn erst raus, als er Cosette an der Hand hat. Die echten Tränen bei Bring Him Home. Und - das hab ich so auch zum ersten Mal gesehen, Sonja, Elli, berichtigt mich, falls das nicht von ihm ist - als die Barrikade fällt, im letzten Schusswechsel, kämpft er nicht mit, sondern probiert sofort, ob er das Gitter aufbekommt und wirft sich schützend über Marius. Er rettet ihn also nicht einfach durch glückliche Umstände, sondern aktiv. Das war großes Kino.

Trotz einer leichten Erkältung, die man allerdings nur bei den ersten paar a capella Tönen von Bring Him Home und vielleicht ein wenig bei "took my flight" hört, singt er von Anfang bis Ende auf höchstem Niveau, baut die eine oder andere rockigere Ecke ein, was aber legitim ist, das hat Drew auch gemacht, und schafft es vor allem bei der Soliloquy mir alter Les Mis Fregatte Tränchen in die Augenwinkel zu singen. Das hat es seit Drews Who am I nicht gegeben. Sehr, sehr schön auch seine la-lalalala-lalala Variationen mit der kleinen Cosette und seine sehr strenge, fast harte Haltung in der Szene mit der großen Cosette. Dieses "You will learn" und das gesamte "one day more" danach zeigt einen Einsamen, Getriebenen, der nicht einmal zu seiner so geliebten Ziehtochter wirklich Nähe aufbaut, sondern stets ein Außenstehender bleibt. Das behält er konsequent bis zum Finale bei. Doch er wäre nicht Ramin, wenn das die einzige Ebene wäre. Denn ganz besonders neben Hadley Frasers genial hartem, hündischen Javert zeichnet Ramin eine ungeheuer zärtliche Liebe zu den Menschen auf die Oberfläche, eine fast scheue Zuneigung, die einem in Kombination mit der Rastlosigkeit diesen Valjean mitten ins Herz katapultiert. Man merkt, dass er die Romanvorlage sehr genau gelesen und sich intensiv mit der Figur beschäftigt hat. Er hat natürlich genau den passenden Tonfall dafür in seiner so variablen, emotionalen Stimme, doch es ist eine große Kunst, all diese Schichten dann auf der Bühne mit Leben und Präsenz zu füllen. Und dafür gebührt ihm der tobende Applaus am Ende. Denn man hätte Valjean weitaus spektakulärer in Szene setzen können, wenn man der Superstar des West End ist. Man hätte auf die Torte scheißen können. Aber Ramin ordnet die Selbstinszenierung der Wahrheit des Spiels unter. Und dafür gebührt ihm letztlich meine tiefe Verbeugung. Die Antwort ist: ja! Er kann wirklich alles.


Donnerstag, 8. Dezember 2011

Große Theatermomente 1 - Taboo



Ein Auftritt, an den ich mich mein Leben lang gerne erinnern werde. Man rechnet ja mit einigem, wenn man ein Londoner Theater betritt, aber womit man nicht rechnet, ist, dass ein ausgewachsener Mann im Brautkleid auftaucht, den Raum mit einem regelrechten Hook erfüllt und einen mit so einer Leidenschaft packt, dass man kurz vergisst, wie man heißt. Hier der Anfang von Boy Georges "Taboo" mit dem Auftritt von Paul Baker als Philip Sallon. Und ich muss auch heute noch sagen: Es gibt tatsächlich Ausnahmen, wo ein Mann im Brautkleid sexy sein kann! ;-)


Dienstag, 6. Dezember 2011

Nikolausgeschenk für euch!

Nachdem es in letzter Zeit so still war, möchte ich euch zum heutigen Nikolaus etwas schenken. Ich habe ja die große Freude, in einer besonders schönen Anthologie vertreten zu sein, nämlich in dieser hier:

Eine Frau löst im Urlaub für immer ihre Eheprobleme - auf drastische Weise. Ein Mann zahlt nach Jahrzehnten eine blutige Schuld zurück. Ein Christkindl-Mörder schleicht über den Wiener Prater. Spannende Weihnachten wünschen: Sandra Lüpkes, Regula Venske, Claudia Toman, Ann Cleeves, Katharina Gerwens, Leena Lehtolainen, Nicola Förg, Inge Löhnig, Felicitas Mayall, Isolde Sammer, Fran Ray, Wulf Dorn und Ursula Poznanski.

Letzte Woche habe ich anlässlich des großen Tiempo Autorenfestes, das mein Autorenstammtisch veranstaltet, exklusiv zum wahrscheinlich einzigen Mal aus meiner darin enthaltenen Kurzgeschichte "Christkindmord" gelesen. Diese Kurzgeschichte bedeutet mir sehr viel. Es war für mich komplett neues Terrain, mich an einen durchaus harten, sehr tragischen Krimi zu wagen, ohne die Sicherheit der Komik und der Phantastik. Die Hauptfigur der Geschichte ist mit Sicherheit die traurigste Figur, die ich je erschaffen habe. Am Ende habe ich mich selbst unter Tränen gefragt, wo er wohl herkam und warum er in mir drinnen gehaust hat.
Um euch einen kleinen Eindruck von der Geschichte und der Lesung zu geben sowie vielleicht eine Anregung für ein wunderbar rechteckiges, hübsch aussehendes Weihnachtsgeschenk, bekommt ihr hier von mir ganz exklusiv eine Aufnahme der Lesung vom 1.12.2011 im Tiempo Nuevo. 
Unter allen, die bis zum 11.12. um 11:12 einen Kommentar unter diesem Post hinterlassen, verlose ich ein signiertes Exemplar von "Alle Morde wieder"!


Donnerstag, 1. Dezember 2011

Schöpfung

Einmal für immer
Die Hand ausstrecken
Und auf deiner Seite
Worte in den Schnee streicheln.

Wenn die Sehnsucht
Kussmünder schlägt
Im Takt unserer Schritte
Weißt du, wo du mich findest.

Einmal für immer
Mit dir sein
Und zwischen den Seiten
Deine Ewigkeit werden.


Mittwoch, 30. November 2011

Freundschaft

In letzter Zeit habe ich viel über das Thema Freundschaft nachgedacht. Wer mich kennt, der weiß, wie wichtig mir meine Freunde sind und welchen Raum sie in meinem Leben einnehmen. Freundschaft ist auf jeden Fall ein Geben und Nehmen, und nur wenn sich beides die Waage hält, kann die Freundschaft dauern. Aber ich gehe noch einen Schritt weiter und berufe mich dabei auf den großen Poeten Peter Cornelius. Auch bequem und unbequem muss sich die Waage halten. Sich wohlfühlen mit jemandem, aber auch am Schlafittchen gepackt werden, wenn man in die falsche Richtung rennt. Das zeichnet für mich die Freunde aus, die ich mit auf meine Arche nehmen würde, wenn es hieße, dass es bis zum Ende die oder keine sein werden. Das sind Menschen, mit denen ich genauso gerne lache wie weine, die mich genauso konsequent loben und schimpfen, die mir Stücke ihres Herzens genauso gerne anvertrauen wie ich ihnen welche von meinem. Nach denen ich oft solche Sehnsucht habe, dass mir das Herz wehtut und  deren Geschichten ich auch zum zehnten Mal noch gerne höre. Die mich nicht ständig in meiner Meinung bestätigen, sondern eine eigene haben. Von denen ich mir als bekennende Eigenbrötlerin und Eigenständige ohne zu zögern helfen lasse, was viel mehr Überwindung kostet als selbst zu helfen. 
Ich habe festgestellt, dass es ausschließlich die Menschen sind, die ich bereit bin, mit mir zu belasten, die unterm Strich die sind, deren Freundschaft mir am meisten bedeutet.
In diesem Sinne: Ihr, die ihr euch angesprochen fühlt, ja, euch meine ich! Wen sonst? :-)



Montag, 21. November 2011

Schwarze Magie

Du trägst deine Winterkälte
und ein fleckiges Lächeln.
Nicht weiß genug.
Ich balanciere blutend
auf Drahtseilen neben dir.
Nicht rot genug.
Über uns der Stadthimmel
Diffus und herbstmüde.
Nicht schwarz genug.

Das Glas, das uns trennt, beschlägt.
Iss dein Gift in kleinen Dosen,
bevor wir in Scherben liegen!
Deine Hand in meiner.
Weiß genug.
Dein Mund auf meinem.
Rot genug.
Dein Herz befleckt mit meinem.
Schwarz genug.


Montag, 7. November 2011

Wortbeflügler 39

Mein lieber Kollege Philipp hat in seinem Blog die wunderbare Aktion Wortbeflügler, wo ein Text oder Bild der eigenen Phantasie Flügel verleihen soll. Eine tolle Idee, andere zur Kreativität zu fordern.

Der heutige 39. Wortbeflügler lautet:

Wo Nebel aufsteigt, wird die Welt zum Geheimnis.
© Valentiner

Hier meine Antwort, aus der Bahn auf dem Weg zur Probe:

Mein Nebel ist löchrig
Er birgt mich nicht mehr.
Stellenweise siehst du mich
Sonne auf der Stirn
Und Schnee im Haar.
Ich warte.
Auf den Winter.
Auf dich.


Montag, 31. Oktober 2011

Entzauberung

Nimm die Schmerzstiche
und die Blutkrusten!
Nimm das Augenrot
und das Herzschwarz!
Nimm die Salzhaut
und die Nägelbisse!

Pack sie gut in Watte,
Wickel sie fest in Folie,
Tauche sie tief in Klebstoff!
Dann hülle sie in Papier,
Bis das Rot, das Schwarz, das Weiß
Nur mehr Erinnerung ist.

Nimm den ersten Zweifel
und die letzte Sorge!
Nimm den lautesten Schrei
und den leisesten Seufzer!
Nimm die bitterste Stunde
und die süßeste Täuschung!

Lege sie Schicht auf Schicht,
Immer Kante an Kante,
Lass keinen Abstand dazwischen!
Dann wirf das Papier obenauf,
Bis das Rot, das Schwarz, das Weiß
Nur mehr Erinnerung ist.

Nimm die Farbe seiner Lippen
und seiner Liebe!
Nimm die Tönung seiner Haare
und seiner Worte!
Nimm die Schattierung seiner Haut
und seiner Lügen!

Mische sie gut mit den Tränen,
Gieße sie sanft in den Eimer,
Damit die Wut sich entzündet!
Dann ertränke alles in Feuer,
Bis das Rot, das Schwarz, das Weiß
Nur mehr Erinnerung ist.

Wasche deine Hände in Asche
und dein Herz in Feuer!
Lass den Regen es löschen
und den Wind beides verwehen!
Dann dreh dich um und geh
In die entgegengesetzte Richtung!

(inspired by M.)


Sonntag, 23. Oktober 2011

+++Konzertkritik+++ Eine Nacht mit dem Phantom

Ramins Stern steht derzeit enorm hoch am Musicalhimmel. Trotzdem hat er sich an einen Stern nicht herangewagt.  Und das ist vielleicht gut so. Aber von Anfang an...


Dinge, die man zum ersten Mal im Leben tut. Zum Beispiel für ein einzelnes Konzert nach Manchester fliegen. Ziemlich genau ein Jahr begleitet mich Ramin Karimloo nun. Er tauchte als Enjolras beim 25er Les Misérables Konzert mit geballter Faust und wehender Fahne auf und entführte mich als Phantom der Oper nach Coney Island und in Tiefen der Kellergewölbe des Gehirns eines autistischen Genies, wie es Laroux' Erik eigentlich ist. Das große Finale dieses Jahres, das mich zu den Wurzeln meiner Theaterliebe zurückgeführt hat, fand schließlich am 2.10. in London beim 25er Phantom Konzert statt. Aber ich habe einen anderen Abschluss gewählt, um noch einmal alles Revue passieren zu lassen: Ramins Konzertreise "A Night with the Phantom". Dafür ist selbst ein so hässlicher Ort wie Manchester eine weite Reise wert.
Ist es das? Ich weiß zumindest jetzt wieder genau, warum ich solche Konzerte eigentlich nicht mag. Songs, aus dem Zusammenhang gerissen, aneinander gestöpselt, durch Orchestereinlagen künstlich in die Länge gezogen, durch Gastauftritte "bereichert" und bei fragwürdig gepfuschter Ton- und Lichttechnik in Sälen, die nicht für Mikrofongesang gebaut wurden: All das spricht gegen entsprechende Veranstaltungen. Und nichts davon blieb mir in der Manchester Bridgewater Hall erspart. Ganz ehrlich und bei aller Liebe zu den Technikern des Theaters: Ein Tontechniker, der den Mikroeinsatz verpennt, sodass die ersten gesungenen Worte des Abends "Some enchanted evening" nicht hörbar sind, gehört gefeuert. Aber so was von. Und noch ehrlicher: Ich finde es ja lobenswert, dass Teenager von den Jurys dieser Welt zum singen animiert werden, aber wer um Himmels Willen Britain's got Talent Teilnehmerin Olivia Archbolds Version von "In the arms of an angel" bei einem Programm namens "A night with the Phantom" gebraucht hat, weiß ich nicht. Wenn sie die Bacharach Nummer, die sie als zweites gesungen hat, nicht so arg versemmelt hätte, hätte ich sie womöglich einfach nicht erwähnt (Kinder und drollige Tiere kritisieren ist böse), aber selbst wenn sie ein Zwergpudel wäre, der mit Bällen jonglieren kann, hätte sie keinen Sinn gemacht.
So viel zur Kritik. Das Welsh Concert Orchestra unter der Leitung von David Shrubsole verbreitete gute Laune und klang schön bei der Ouvertüre von SOUTH PACIFIC. Also konnte es eigentlich losgehen. Allerdings dauerte es etwas. "Some enchanted evening", "If ever I would leave you" und "If I loved you" sind zwar Lieblingsnummern von mir, Kultklassiker, aber Ramin tat sich schwer damit, warm zu werden. Ich glaube, das kann man allgemein sagen: Ramin gehört auf eine richtige Bühne, in ein richtiges Stück. Seine große Kunst ist die Verkörperung, nicht das Nachsingen von Oldies but Goldies. Denn das können andere besser. Sogar Alfie Boe. 
Speaking of Alfie: Großen Mut und zugleich große Weisheit beweist Ramin mit der gravierendsten Programmänderung des Abends. Er wollte sich an einer Rolle in LES MISÉRABLES versuchen, die er noch nicht gesungen hat. Und traf die richtige Entscheidung. Es gehört Mut dazu, sich mitten im Alfie Boe Hype in eine Konzerthalle zu stellen und "Bring him home" zu singen. Aber das angekündigte "Stars" hätte einen viel gefährlicheren Vergleich nach sich gezogen. Also sang Ramin Jean Valjean und endlich war er da, der begnadete Stern des West End. Endlich spürte man die emotionale Intelligenz dieses großen Künstlers und er sang den ganzen Opern-Alfie an die Wand, weil er Gefühle vibrieren lassen kann. Großes Kino. Ich zweifle nicht daran, dass er der nächste große Valjean wird. Dermaßen beschwingt schwebte er auch durch die MISS SAIGON Nummern "Why, god, why" und das Duett "Last night of the world". Man merkte, dass er die Rolle gesungen hat und er brachte sie glaubwürdig rüber. Die Duettpartnerin des Abends war Celia Graham. Sie fühlte sich aus irgendeinem Grund dazu berufen, zwischendrin Jazz und Judy Garland zu singen. Nött. Synonym für nett aber nö. Ich habe sie als Christine in Love Never Dies wirklich geliebt, aber ihre Stimme ist nicht die größte aller und ihr verhuschtes Auftreten weit von einer Leading Lady entfernt, daran ändern auch vier verschiedene Kleider und mehrere Frisuren im Lauf des Abend nichts. Nött halt. Völlig überflüssig war das Finale des ersten Teils. Wer auch immer auf die glorreiche Idee gekommen ist, dass sich "Do you hear the people sing" dafür eignet, von einem Enjolras in Begleitung von ein paar Background-Vocals konzertant gesungen zu werden, sollte strafweise Barrikadendienst verrichten. Zwar war der französische Einstieg wieder witzig, aber besser aussprechen kann er es immer noch nicht. Peuple klingt bei Ramin weiterhin wie etwas, das eine Ziege als Kommentar zu saurem Gras fallen lässt. ;-) Sein verzweifelter Versuch, das Publikum schließlich zum Studentenchor zu machen, ist grandios gescheitert. Eine Art peinliches Unding kam heraus. Als die besonders piepsige blonde Backgroundsängerin "The blood of the martyrs will water the meadows of France" kiekste, dachte ich: WTF? statt WDF! (Insider!).

- Pause -

Der zweite Teil startete mit SUNSET BOULEVARD. Ein erklärtes Lieblingsmusical, sowohl von Ramin als auch von mir. Er brauchte wieder etwas, um in den Titelsong reinzukommen. Kaltstart liegt ihm einfach nicht. Und "Too much in love to care" war fein, auch wenn ich bereits erste Symptome einer übernöttung hatte, als Celia Graham in Kleid Nummer drei und Frisur zwei(einhalb?) die Bühne betrat. Nachdem der talentierte britische Teenager dann mit Bällen oder Tönen jongliert hatte, wurde es endlich spannend. Ramin kündigte zwei komplett neue Songs an, die im Jänner auf seinem Album erscheinen werden. "Constant Angel" und "Coming Home". Und ich muss sagen: I like. Ganz viel sogar. Es sind durchaus Songs "im Theaterstil", die Ramins Stimme entgegenkommen, zuckersüße Melodien haben und mit Orchester super klingen. Das lässt Vorfreude aufkommen! Und dann war es endlich so weit. Die Nacht mit dem PHANTOM wurde eingeläutet. Nach einem Orchestermedley starteten Ramin und Celia mit dem Hauptduett. So kurz nach Sierra Boggess und Sarah Brightman ist das für mich schwer. Aber sie hat es ganz ok gemacht. Nett. Sogar ohne ö. Und dann hat Ramin den Vergleich doch noch heraufbeschworen, als er sich an "All I ask of you" wagte. Und nein, er wird nie ein guter Raoul sein. Nicht mal ein recht guter. Falls das zu beweisen war, hat er es jetzt bewiesen. Ich hatte andere Bilder vor Augen und andere Klänge im Ohr dabei. Nach den Sternen greifen ist einfach nicht gut für Ramin. ;-)
Und dann ist es passiert. Die ersten paar Töne des Coney Island Walz und die Tränen waren da. Fort die sarkastische Distanz, fort die geistreichen Bonmots und fort sogar der eingebildete Vicomte de Chagny. Weil die Liebe plötzlich wieder unsterblich war. Und ich tragischerweise erkannt habe, dass mein Herz immer noch auf Coney Island weilt. Und die Sehnsucht so groß ist, so groß. LOVE NEVER DIES hat mir so viel bedeutet. Und ich werde immer stolz und dankbar sein, dass ich es bis zum bitteren Ende erleben durfte. Celia sang das Titellied grandios. In dieser Rolle wächst sie über sich hinaus, die ist der perfekte emotionale Gegenpart zu Ramin, ein flatterndes, zögerndes, schlagendes und schmelzendes Herz inmitten von einem riesigen Klanggebäude. Das verlorene Kind, zerrissen zwischen Liebe und Liebe. Und dann, am Ende, brilliert das Phantom mit den beiden großen (und vielleicht größten) Arien, "Til I hear you sing" und "Music of the night". Ja, dafür reist man nach Manchester. Dafür könnte man auch einmal um die ganze Weltkugel reisen. Weil es so ein Phantom nicht so schnell wieder geben wird. Ja, es gibt andere. Und manch einer ist auch wirklich gut. Aber Ramin ist mehr als das. Er ist - im wahrsten Sinn des Wortes - PHANTASTISCH. Und auch wenn er die Maske abgelegt hat, wird er sie für mich immer tragen. Verbeugung und aus. It's endgültig over now, the music of the ...





Freitag, 14. Oktober 2011

self-discipline (14.10.11)

the inconvenient truth
pulls the trigger
of my fake smile
in self-defence.

you must never hear
the sound of my love-you‘s
dripping from my mouth
in self-pity.

i let you go now
and dispose of my rusted heart
on a scrap heap
for pure sustainment.

and then I breathe.
and then I breathe deeper.
and then no more.


Samstag, 8. Oktober 2011

+++Theaterkritik+++ Phantom 25

So also fühlt es sich an, bei einem Jahrhundertereignis dabei zu sein. Sogar jetzt noch, während sich das Erlebnis schon nach und nach von mir entfernt, bekomme ich eine Gänsehaut bei Ramins Beginn von "Wandering Child". Aber ich fange besser vorne an.

Seitdem Les Misérables das Vierteljahrhundert gefeiert hat, ist Ramin Karimloo für mich der absolute und uneingeschränkt leuchtendste Star des West End. Er hat einfach alles, was es braucht. Bildschön, charmant, mit einer phantastischen Stimme, die man unter tausenden wieder erkennt und dazu eine Gabe, eine Rolle so perfektionistisch einzustudieren, dass es nicht mehr Schauspiel, sondern Genie ist. Mit einem kurzen Wort: Ramin ist ein Gott der Bühne. Als es im Frühjahr hieß, dass er die Rolle seines Lebens, das Phantom, beim 25th Anniversary in der Royal Albert Hall ein letztes Mal singen wird, war für mich längst klar, dass ich dabeisein muss, egal, was es kostet und egal, wie kompliziert es wird. Dass das Wochenende der Jubiläumskonzerte ausgerechnet mit dem jährlichen Montségur Autorentreffen und meinem Probenbeginn in der Oper kollidiert ist, hat es dann tatsächlich so schwer wie möglich gemacht. Aber es war nicht denkbar, nicht hinzufahren. Schließlich liebe ich dieses Musical seit ich 9 Jahre alt bin.
Also habe ich gebucht und bin innerhalb von nur 15 Stunden von Frankfurt nach London und von London nach Wien geflogen. Und all das hätte ich auch ohne Hadley gemacht. Aber nur durch Hadley ist es dann tatsächlich ein Jahrhundertereignis geworden. Aber ich fange besser mit Hadley an.

Ebenfalls beim Les Mis Jubiläum fiel ein junger Mann als Grantaire auf. Der Name: Hadley Fraser. Ramins bessere musikalische Hälfte, Partner in Crime bei ihrer gemeinsamen Folkband Sheytoons. Es ist wahrscheinlich die schwierigste Sache der Welt, neben seiner Göttlichkeit Ramin zu glänzen und Hadley ist für mich erst durch Twitter so richtig aus dem Schatten in die Sonne gewandert. Dort brilliert er nämlich durch Eloquenz, Witz und Sprachkunst. Beispiel gefällig? Iggy Pop is made entirely of old walnuts. Apart from his hair, which is half lion-mane, half mithril. Das ist Hadley. Als Hadley nun von besoffenen Studenten zum bulldoggigen Inspektor aufgestiegen ist und der neue Javert des West End wurde, war ich neugierig. Wie wird sich der komische Hipsterkauz in dieser von mir hochgeschätzten, schwierigen Rolle schlagen. Ich mache es kurz: Er schlug sich so, dass es für mich fortan Hadley schlug. Und jetzt, werte Leser, fängt das Märchen an.

Denn aus unerfindlichen Gründen hatte Phantom 25 keinen Monat vor der Aufführung noch keinen Raoul. Nicht, dass das für mich von großer Relevanz gewesen wäre, ich konnte diesen faden Vicomte noch nie ausstehen, der da völlig zu Unrecht am Ende die Frau kriegt, obwohl man ihn schon vergisst, während er noch All I ask of you säuselt. Ein ähnlich gearteter Fall wie Marius in Les Mis (Victoria, ich höre den Protest, ich ignoriere ihn aber weiterhin), arroganter, blasser Adliger ist einfach nicht mein Typus, ich mag die Helden, die Monster, die Tragöden und Bösewichter sämtlich lieber. Dann aber passierte das Unfassbare: Nach einer gut zweiwöchigen Geheimniskrämerei wurde tatsächlich Hadley Fraser als Darsteller von Raoul bestätigt. Hätte ich nicht schon Karte und Flugticket besessen, jetzt hätte ich sie mehrfach erworben. Und endlich fängt nun das Jahrhundertereignis an.

Um 15:20 Ortszeit ist unser Flieger in London gelandet und Victoria und ich sind direkt zur Royal Albert Hall gefahren. Dort haben wir uns mit Anja und Pia getroffen. Übermüdung und Anreisestress waren spätestens weg, als wir endlich in der gigantischen 5000 Menschen Halle standen, wo es nicht nur dank der Pyrotechnik vor lauter Erwartung und Begeisterung geknistert hat. Einer von diesen Momenten eben, wo man weiß, dass gerade Geschichte geschrieben wird und man mittendrin ist. Unsere Plätze waren zwar weit oben, aber eigentlich gar nicht schlecht, zumindest waren wir näher an der Bühne (und an Loge 5!) dran als ich zu hoffen gewagt hätte. Die Stimmung im Saal war toll. Nach einer spitzen Auktionsszene mit niemand geringerem als Earl Carpenter als Auktionator, wurde der Luster, der schön authentisch zwar nicht wie sonst üblich auf der Bühne liegend sondern bereits hängend von einem Tuch verhüllt war, illuminiert. Ta-ta-ta-taaa-tata. Gänsehautus totalus. Phantastisch die Hannibal-Probe, bei der offensichtlich das halbe West End auf der Bühne stand, inklusive eines Christine-Ballettcorps, der vielleicht noch ein paar Tanzproben gebraucht hätte, aber dafür ein herrliches Rebus-Rätsel für den Insiderzuseher bot. Die Produktion in der Albert Hall war ja als "Fully Staged" angekündigt, also keine konzertante Version wie bei Les Misérables. Mit Sierra Boggess als Christine und Liz Robertson als Madame Giry standen neben Ramin noch zwei Premierenstars von Love Never Dies, Webbers tragisch gescheitertem Sequel, auf der Bühne. Ein schönes Zeichen, fand ich als überzeugte Vertreterin von LND-Forever. Beiden merkte man an, dass ihre Rollengestaltung durch die Fortsetzung eine viel größere Dimension angenommen hat, die Figuren mit dem Wissen um Coney Island zu erleben, war etwas ganz Besonderes. Herrlich das Operndirektorenduo Barry James und Gareth Snook. Zwei Komiker der Extraklasse. Wunderbar auch die Carlotta von Wendy Ferguson und der Piangi von Wynne Evans. Ganz gut aber etwas blass war für mich die Meg von Daisy Maywood, aber vielleicht kommt mir das nur so vor, weil Meg in Love Never Dies so viel präsenter ist.
Ausgezeichnet dann Think of me interpretiert von Sierra, sie ist nicht nur eines der schönsten Musicalgesichter derzeit sondern vor allem auch eine traumhafte Sängerin mit genau dem nötigen Brightman-Operntimbre, aber weit mehr Körper und Kraft als die gute Frau Brightman einst. Wishing you were somehow here again hat sie wie von einem anderen Stern gesungen, nie habe ich es besser gehört!

Dennoch waren meine Augen natürlich auf die Loge gerichtet, von wo aus der Vicomte de Chagny seine Jugendliebe anhimmelte. Und mein Gott, Hadley sah natürlich aus wie Hadley nur irgendwie schöner. :o) Unglaublich, mit welcher Präsenz er in jeder Rolle auftritt. Sein Raoul ist kein blasser Warmduscheradliger, sondern ein arroganter, von sich selbst eingenommener, glutheißer Jungspund, der sich Christine in den Kopf gesetzt hat und sein Ziel verfolgt. Nicht liebenswerte Trotteligkeit sondern brutaler, kaltintellektueller Siegeswille liegt in seinem Blick, wenn er Christine ansieht. Nicht mit fadem Trost umarmt er sie in All I ask of you, nein, was sie zu ihm hinzieht ist die Kompromisslosigkeit und eitle Intelligenz eines Mannes, der weiß, dass er alles bekommt, was er haben möchte. Und das macht ihn annähernd unwiderstehlich und erstmals zu einem echten Gegner fürs Phantom.

Womit wir bei Ramin wären. Es ist schon so viel zu Ramin gesagt worden und ich möchte das Viele nur um eines ergänzen: Ob das Phantom jung oder alt ist, hübscher oder hässlicher, beweglicher oder schwerfälliger, das ist Geschmacksache. Aber es hat mit Sicherheit kein Phantom gegeben und wird vermutlich auch keines mehr geben, das all die Schichten, Aspekte und emotionalen Tiefen dieser Figur so überzeugend und so bedingungslos echt ausschöpft wie Ramin Karimloo. Jede Geste und jeder Ton ergeben ein herzzerreißendes Ganzes, das so viel mehr ist als Ramins hübsches persisches Gesicht, so viel mehr als eine einfache Bühnenrolle. Ramin ist das Phantom unserer Zeit und aller Zeiten, der verkörperte Schmerz des Hässlichen angesichts von Schönheit. Die Schönheit, die in Musik steckt, oder in Liebe. Erst Ramins Phantom hat mich das vollständig verstehen lassen. Und seinetwegen werde ich jetzt nie mehr an dieser bittersüßen Tragödie des menschlichen Herzens zweifeln: Dass Sehnsucht und Begehren die Bedingung für die Kunst sind, die aus Schönheit und Schmerz entsteht.
Point of no return und Final Lair waren schließlich wie ein Traum, den ich atemlos und am Ende weinend verfolgt habe. Wie mir immer wieder das Herz bricht, wenn das Phantom Christine gehen lässt und mit dünner Stimme und feuchten Wangen zum Klang der Spieluhr singt. Was Ramin dabei macht, das kann man nicht beschreiben. Das muss man sehen.

Als am Ende nach einer wunderbar emotionalen Ansprache von Andrew Lloyd Webber und zwei Phantomquintetten +Brightman als Zugabe das Licht in der Albert Hall anging, war alles ein bisschen voller und leerer, ein bisschen schlimmer und besser. Nachdem wir uns restauriert hatten, die Spuren der Tränen entfernt waren, haben wir am Stage Door auf die Helden des Abends gewartet. Ein Autogramm von Hadley haben wir ergattert und Victoria ist es sogar gelungen "You were truly magnificent" zu sagen. Ramin und Sierra blieb nichts übrig als in ein Auto mit laufendem Motor zu springen und abzufahren, sonst hätte sie die wartende Meute wohl wie Süskinds guten Grenouille einfach aufgefressen. Es war auf jeden Fall ein Abend, den ich nie vergessen werde. So endet die Musik der Dunkelheit. Danke Ramin. Danke Hadley. Danke Victoria und Anja, meine Mitreisenden, Mitleidenden, Mitweinenden.



Mittwoch, 28. September 2011

Geganzt...

Ich weiß nicht, wie ich fünf Jahre halbiert überlebt habe.
Erst ganz geworden sehe ich die Bruchstellen,
den geronnenen Klebstoff und die ausgefransten Ränder.
Der Raum ohne dich ist halb voll.
Die Musik ohne dich ist halb schön.
Und ich ohne dich bin halb ich.


Dienstag, 13. September 2011

Herbstputz!

Ich persönlich finde Neujahrsvorsätze ja überbewertet. Ich glaube mehr an den Herbstputz. In diesem Sinn habe ich den Blog jetzt mit September entschlackt und überarbeitet. Erstens ist es Zeit, Olivia loszulassen und der Seite einen Look zu verpassen, der weniger mit ihr und mehr mit mir zu tun hat. Zweitens hat sich viel Unnötiges angesammelt. Ich habe ja so eine Tendenz, alles um mich versammeln zu wollen. Als Kind habe ich in einem Bett geschlafen, in dem sämtliche Kuscheltiere beisammen saßen und habe ernsthafte Pläne ausgearbeitet, sie im Fall eines Feuers alle zu retten. Mit meiner besten Freundin bin ich in Volksschulzeiten immer in ein Kartonhaus in der Garage gezogen, wo wir Vorräte und alles notwendige Spielzeug auf kleinem Raum gelagert haben. Für den Atomkrieg oder so. Und auch als Erwachsene noch horte und bunkere ich. Gegenstände, Nahrungsmittel, Ideen. Weil man könnte ja mal akut Bedarf haben... Ich habe jetzt entschieden, dass mein Social Me, das auf so vielen Kirtagen tanzt, nicht jeden FB, Twitter und so weiter Stream mit in den Blog bringen muss. Die Buttons sind da, aber wenn man alles einbindet, wird es schrecklich unübersichtlich. Das Gleiche gilt für Links. Ich schaffe es nie, da am neuesten Stand zu sein und will niemanden verärgern, weil seine Seite in der Liste fehlt. Ich will versuchen, die Blogroll mit den Lieblingsblogs immer wieder zu erneuern und irgendwann mal eine Seite mit einer Linkliste einzurichten. Aber momentan lasse ich es mal sein.
Der Blog ist noch nicht ganz vollständig. Im Lauf der nächsten Monate wird noch ein Menüpunkt dazukommen, der noch schrecklich geheim ist. Ich freue mich drauf. :-)
Und ich habe mir fest vorgenommen, mehr zu bloggen. Ich will wieder öfter ins Theater gehen (jetzt, wo meine aktive Zeit dort zu Ende geht, hab ich endlich wieder so richtig Lust drauf!) und darüber schreiben und auch Videovlogs wird es im Herbst wieder geben. Also schaut vorbei!


Montag, 29. August 2011

+++Theaterkritik+++ Love Never Dies Forever!

Abschiede waren noch nie mein Ding. Darum die Tränen, während ich diesen Beitrag schreibe. Es ist jetzt ziemlich genau ein Jahr her, da saß ich im Adelphi in London, um mir die Fortsetzung von Webbers Phantom anzusehen. Es stand ziemlich weit oben auf meiner Liste: Dinge die die Welt nicht braucht. Immer diese Fortsetzungen von allem und jedem, was erfolgreich ist, wozu soll das gut sein? Dann aber ist Erstaunliches passiert. Da waren sie wieder! Die Melodien, für die ich Webber so liebe seit ich 5 Jahre alt war. Und einige seiner allerbesten machen aus dem, was eine mühsam gestrickte Fortsetzung hätte werden können ein Musical, das sich hinter dem Phantom nicht verstecken muss.  Der Coney Island Walz ist pure Magie, Til I hear you sing vielleicht Webbers beste Arie, Love Never Dies fast schon ein ewiges Statement, Beneath a Moonless Sky Gänsehaut und Beauty Underneath eine Rockhymne, wie es sie schon lange nicht mehr gab. Zwar fehlte es der Aufführung damals noch an diversen dramaturgischen Bögen, der Einstieg war katastrophal und manche Handlungen äußerst willkürlich. Aber die Musik habe ich wieder und wieder gehört seither, erstaunlich viele Nummern gingen mir nicht mehr aus dem Kopf. Und das Ende hat mich völlig unvorbereitet getroffen (ja, ich hatte nicht mal eine Inhaltsangabe gelesen!), ich habe geheult wie ein Schlosshund und konnte mich stundenlang nicht beruhigen. Phänomenal gemacht!

Der nächste Teil meiner Geschichte beginnt mit Ramin Karimloo. Ich habe ihn als Enjolras in meinem ewigen Lieblingsmusical Les Misérables im Rahmen des großen 25-Jahre-Konzerts gesehen und war augenblicklich Fan, Fan wie ich schon lange kein Fan mehr war, Fan mit allem Fantum, das man sich nur vorstellen kann. Und als mir dann klar geworden ist, dass das der Mann ist, dessen Stimme mich seit Wochen begleitet, der das Phantom in Love Never Dies so genial gesungen hat, war ich Feuer und Flamme, die Produktion wieder zu sehen. Mittlerweile gab es einen Castwechsel und eine gründliche Überarbeitung. Als ich schließlich im Mai zum zweiten Mal im Adelphi saß, war ich begeistert, wie sehr die Änderungen dem Stück gutgetan haben. Keine Schwächen mehr, keine Längen, sondern eine zutiefst berührende, zauberhafte, starke Geschichte, die für sich alleine steht und dennoch in sehr zärtlicher Art und Weise das Andenken des Phantoms in sich trägt, in kleinen, feinen musikalischen Anspielungen. Ich habe es mir innerhalb von einer Woche dreimal angesehen und am Ende dieser Woche habe ich es glühend geliebt. Geliebt wie seit langem keine Aufführung mehr. Es gibt vermutlich nur vier andere, die mich je so gepackt haben. Cats im Theater an der Wien als ich 5 war, Les Misérables im Raimundtheater als ich 10 war, Die Räuber im Burgtheater als ich 17 war, Hair im Raimundtheater als ich 23 war, Taboo in London als ich 25 war und jetzt Love Never Dies. Die Liebe zu einer Theateraufführung hat mir so gefehlt, in den letzten Jahren, selbst am Theater arbeitend, ist mir irgendwie der Zauber verlorengegangen, das Gefühl, Theater durch Kinderaugen zu erleben, nicht dauernd Fehler zu sehen, nicht auf die Beleuchtung und Schauspielkunst zu achten, sondern einfach reinzukippen. Und das hat mir Andrew Lloyd Webber zurückgegeben, er hat mich nach Coney Island entführt und wieder ein lachendes und weinendes Kind sein lassen.

"I had a taste of joy, the most I ever knew. And now there isn't any time and somehow our story is done..." Mehr als ein paar Monate durfte ich es nicht genießen. Im Juni wurde bekanntgegeben, dass sich für Love Never Dies am 27.8. der letzte Vorhang schließt. Mir war klar, dass ich es noch so oft sehen muss, wie ich kann, also ließ ich es mir nicht nehmen, im August zweimal nach London zu fahren, um beim Ende live dabei zu sein. Und was war das für ein Gänsehauterlebnis. Sir Andrew Lloyd Webber selbst kam und saß nur fünf Plätze von mir entfernt. Ich konnte ihn während der Vorstellung beobachten, sehen, wie auch er trauerte und werde diese zweieinhalb letzten Stunden nie vergessen. Wenn überhaupt möglich, gab jeder Einzelne der Darsteller noch einmal mehr, als gälte es, das letzte Mal unsterblich zu machen. Ramin hat "Til I Hear you sing" wie von einem anderen Stern gesungen und ich weiß mit absoluter Sicherheit, dass das jetzt, spätestens, die Geburtsstunde vom Musicalstar unserer Generation war. Er wird es im Oktober beweisen, wenn er ein letztes Mal die Maske aufsetzt und das Phantom der Oper bei der 25th Anniversary Celebration in der Albert Hall singt.

Und jetzt lasse ich den Sir selbst die Abschiedsworte sprechen, weil er das viel besser kann als ich. Ich wünsche mir sehr, dass Love Never Dies bald wieder eine Chance bekommt, am West End, am Broadway oder auf Tour, denn ich glaube an dieses Stück! Und alle, die es lieben wie ich, wissen, was es bedeutet: Amor Numquam Moritur!



Freitag, 26. August 2011

+++Theaterkritik+++ Les Miserables, London


Les Mis ist ja kein Musical, das ich selten gesehen habe. Nicht mal nur oft, sondern sehr oft. Trotzdem gab es eine Phase, in der mich die Londoner Produktion nicht mehr überzeugt hat, zu routiniert, zu uninspiriert war vieles. Seit dem 25jährigen Jubiläumskonzert ist alles anders. Denn die neue Cast im Queens Theatre, teilweise aus der Konzertbesetzung hervorgegangen, begeistert auf ganzer Linie. Jede Figur ist sorgfältig neu erarbeitet und man kann sich an Ideen und Kleinigkeiten gar nicht sattsehen. Nichts mehr vom alten Trott, sondern Feuer, das meine Liebe zur Revolution neu entfacht hat.
Als Superstar wird Alfie Boe gepusht, und sein Operntenor ist in der Rolle des Jean Valjean auch strahlend und himmlisch anzuhören. Ein Hörgenuss! Allerdings ist seine darstellerische Leistung trotzdem sehr viel schwächer als die der anderen. Umso mehr möchte ich die Alternativbesetzung Jonathan Williams hervorheben. Der hat eine klassische Musicalstimme, sticht aber durch Bühnenpräsenz, Schauspiel und eine enorm liebenswerte Ausstrahlung heraus. Viel Reife für sein junges Alter und eine tadellose Gestaltung. Schade, dass einige "Fans" der Meinung sind, dass Vorstellungen ohne Alfie Boe nicht sehenswert sind, denn sie sind es sehr.
Völlig hingerissen hat mich Hadley Frasers Javert. Das Talent dieses Mannes ist ja bereits in seiner Darstellung vom ewigen Trinker Grantaire beim Jubiläumskonzert durchgeblitzt, aber was er als Javert zeigt, ist großes Musiktheater. Eine gewaltige Stimme, die von Tiefe bis Höhe keine Wünsche offen lässt und eine Interpretation dieser schwierigen Figur, die völlig neu und wahrscheinlich maßgeblich für zukünftige Interpreten wird. Der Javert unserer Generation! Kein Bösewicht, nein, nur ein pflichtbewusster Mensch, der sich verrennt und je mehr er sich in seinen Wahn hineinsteigert, desto verbissener daran festhält. "I am the law and the law is not mocked" singt er, bevor er an sich selbst zerbricht und wie Hadley Fraser dabei mit zitternden Händen einen letzten Versuch startet, die abhanden gekommene Normalität ("the world is upside down") herzustellen und die Knöpfe seines Mantels schließt, während der Rest von ihm bereits zerstört ist, ist großes Theater!
Ebenfalls hervorzuheben ist Matt Lucas' Gestaltung des Thénardier. Ein großer Komödiant, der wie kein Zweiter das Geheimnis von Timing beherrscht, sehr, sehr viel von sich selbst eingebracht hat und Thénardier zu einer Figur aus Little Britain gemacht hat. Wunderbar, schlüssig und genau die richtige Dosis überzeichnet. Katy Secombe ist ihm eine kongeniale Partnerin, ein echtes, modernes Ténardier-Dreamteam!
Nicht ganz überzeugen konnte mich Alexia Khadimes Eponine, und ich hab mich drei Aufführungen lang gefragt, warum. Immerhin ist Eponine meine Lieblingsfigur, da hat mich bisher noch fast jede erreicht. Das Problem ist: Ich glaub es ihr nicht! Ich sehe die echten Gefühle nicht. Zwar plärrt sie "Without him, the world around me changes" in lauten, schrillen Tönen, aber ich sehe nicht die Verzweiflung dahinter. Nicht mal bei Little Fall of Rain glaub ich ihr, dass sie Marius liebt. Ich glaub ihr nur, dass sie keinen Schmerz fühlt, aber eben das ist das Problem.
Nicht leicht hat es Liam Tamne  gehabt und es hat drei Aufführungen lang gedauert, bis ich mich mit ihm angefreundet hatte. Diese Rolle nach Ramin zu singen, ist halt schwierig. Aber er macht es trotzdem gut, ist sehr emotional und hat wunderbar echte Momente. Mir persönlich ist er aber zu wenig "männlich", zu wenig testosteronhaltig. Ich mag Enjolras eben als Anführer, der in jeder Sekunde Funken sprüht. Das tut Tamne nicht, er ist ein Junge unter Jungen, der irgendwie zufällig der mit der roten Fahne ist. Aber ansonsten gibt es nichts zu kritisieren und mittlerweile mag ich ihn auch wirklich gerne in der Rolle.
Caroline Sheens Fantine ist zwar gesanglich nicht die Überfrau, hat aber ein unglaublich liebenswertes, berührendes Auftreten und spielt toll. Lisa-Anne Wood als Cosette und Craig Mather als das Liebespaar Cosette und Marius sind brav. Mehr fällt mir dazu nicht ein. Aber das Stück macht es ihnen nicht leicht, die Rollen sind eben blass im Vergleich zu den anderen. Selbst ein Grantaire (etwas zu alkoholisch: Adam Linstead) kann mehr Persönlichkeit zeigen als Marius...
Alles in allem muss ich sagen: Toll! Danke, lieber Herr Mackintosh für diese frische, neue Cast, die mir mein Lieblingsmusical wieder neu ins Herz gesungen und gespielt hat! Verbeugung und Applaus!


Montag, 8. August 2011

Schatzsuche - Die Verlosung



Ich gratuliere!



Montag, 1. August 2011

+++ Schatzsuche +++ Österreichisch für Anfänger



Habt ihr den richtigen Buchstaben im Video entdeckt? :-)
Schreibt ihn euch auf, ihr werdet ihn am Ende für die Lösung brauchen!
Den nächsten Hinweis findet ihr bei Kerstin Pflieger. Viel Spaß beim Weitersuchen!

Info zum Gewinnspiel:
Zehn deutschsprachige Fantasy-Autorinnen und -Autoren laden zur »Schatzsuche« auf ihren Blogs und Webseiten ein. Unter den richtigen Einsendungen* werden zehn fantastische Romane verlost.
Und einer der Gewinner zieht den Jackpot: 10 signierte Romane von 10 verschiedenen Autoren. Unter den Preisen findet ihr auch signierte Exemplare von "Hexendreimaldrei" und "Jagdzeit", außerdem die tollen Debüts "Schattenblüte" von Nora Melling, "Die Alchemie der Unsterblichkeit" von Kerstin Pflieger, "Grim" von Gesa Schwartz und Bücher von Tanja Heitmann, Olga Krouk, Jeanine Krock, Michaela F. Hammesfahr, Stephan R. Bellem und Christoph Lode!

Wie geht‘s?
Einfach dem Pfad folgen, pro Seite einen Buchstaben finden und am Ende daraus das Lösungswort zusammensetzen. Keine Sorge, unterwegs gibt es reichlich Hinweise.

Wer kann mitmachen?

Jeder, der Lust hat und eine E-Mail mit dem richtigen Lösungswort und seiner vollständigen Anschrift* an schatzsuche@kerstin-pflieger.net schickt.
Am 8.8. ab 8.08 Uhr werden die Gewinner gezogen.
Viel Glück!
Eure Claudia

*Hier eingesandte Post- und E-Mailadressen werden nur für dieses Gewinnspiel gespeichert und weder weitergegeben noch für andere Zwecke verwendet.
Einsendeschluss: 8. August, 8.08 Uhr. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.


Sonntag, 31. Juli 2011

Perfect re(a)lationship!



Wie sieht sie aus, die perfekte Beziehung? Wahrscheinlich für jeden Menschen anders. Es kommt nur darauf an, glücklich zu sein und sich selbst treu zu bleiben. :-)



Donnerstag, 21. Juli 2011

SSWS - Sommersauwettersong


Danke Reinhard Mey, es ist mir aus der Seele gesprochen! ;-)


Sonntag, 12. Juni 2011

Das Video zur Lesereise!



Sonntag, 5. Juni 2011

7 Reiseziele für 7 Jahre

Nachdem ich heuer 33 werde, habe ich beschlossen, eine Reiseliste anzulegen. 7 Reisen, von denen ich in jedem Jahr bis 40 eine machen muss. Der Grund dafür ist, dass ich träge bin. Ich habe zwar so viele Traumziele, aber die Liebe zu London und Triest lässt mich immer wieder nur dorthin fahren. Aber so lange ich die Zeit und Energie zum reisen habe, möchte ich die Wunschziele noch ansteuern. Pflichtlisten sind zwar immer so eine Sache, aber sie können auch der nötige Tritt in den Hintern sein, den ich brauche.

1. Stephen King Tour: Maine mit dem Mietauto via NY.
2. Die Transsibirische Eisenbahn.
3. Auf Hemingways Spuren nach Key West.
4. Außenkabine mit Hängematte auf der Aida, egal wohin. :-)
5. Advent in Cesky Krumlov. Dichterdachzimmerchen.
6. Cornwall im Herbst oder Winter, in ein Cottage mit Kamin.
7. Auf Murakamis Spuren mit dem Zug durch Japan zur Kirschblüte.

Selbstverständlich alles mit detaillierten Reiseberichten!


Samstag, 21. Mai 2011

Ich hatte ein Ticket für den Weltuntergang, aber er wurde abgesagt!


Judgement Day sagen die Engländer dazu. Der 89-jährige Harold Camping hat die Bibel analysiert und ist zu dem Schluss gekommen, dass die Welt am 21. Mai 2011 um 18h der jeweiligen Ortszeit untergeht. Dabei kommt es zur "Entrückung" - gläubige Christen werden bei dieser Gelegenheit gerettet, alle anderen müssen auf der Erde bleiben und enden 5 Monate später in der Hölle, bei dreihundert Grad mit Aufguss oder so.
Ausgestattet mit der passenden Henkersmahlzeit - Frappuccino und Chocolate Caramel Shortbread - sowie dem perfekten Weltuntergangssoundtrack (Les Misérables - One day more) bin ich daher um 17:30 Greenwich Time zum Piccadilly Circus gepilgert. Fein, dachte ich, dass ich grad in London bin. Wenn man mich nämlich fragen würde, an welchem Platz ich am Liebsten untergehen möchte, dann wäre das der Piccadilly Circus, der für mich sowieso immer der Mittelpunkt der Welt war. Da saß ich nun, inmitten gackernder Französinnen, bei traumhaftem Sonnenschein, während zwei Afro-Europäer im Schweiße ihres Angesichts trommelten. Ich aß mein letztes Shortbread und trank meinen Henkersfrappuccino und wartete.
Etwas Eigenartiges geschah: Ich war wirklich bereit. Es gab nichts, das ich bedauerte, nichts, das ich mir vorzuwerfen hatte, nicht mal Dinge, die ich noch unbedingt hätte machen wollen. Ein Lebensdrittel ist zu Ende gegangen. Ich war komplett mit mir im Reinen. Ein komisches, ungewohntes Gefühl. Schließlich gibt es immer so viel, das man sagen, tun, erleben, erreichen, lernen und verstehen möchte. Doch heute um Punkt achtzehn Uhr hätte die Apokalypse ruhig stattfinden können.
Sie tat es natürlich nicht. Warum sollte die Welt auch auf die Zahlenspielereien eines alten religiösen Fanatikers hören? Während der wunderbare R.K. zu einem mitreißenden "One more day before the storm" ansetzte und die Französinnen weiterflatterten, ging das Jüngste Gericht unspektakulär vorüber. Ich knipste ein Erinnerungsfoto und wollte schon aufbrechen, als ich das Foto auf dem Display sah. Und so seltsam das klingt: Ich hab den Sinn des Judgement Day verstanden. Es geht nämlich nicht darum, dass irgendwer auf einem Wölkchen oder im Feuerchen landet. Es geht nicht um Belohnung und Strafe, Tod oder Wiedergeburt. Worum es geht, ist nur der Zustand des in sich Ruhens. Es geht um den Mensch selbst und seine Erkenntnis. Von all den Slogans und Werbebotschaften, die die Reklamewand des Piccadilly Circus zu bieten hat, bekam ich am 21.5. um 18:00 folgende Botschaft:


In diesem Sinne habe ich jetzt ein Motto für die nächsten zwei Drittel meines Lebens.
Danke Harold Camping! Ich hoffe nur, Sie sind nicht zu enttäuscht, wenn Sie morgen Früh in Ihrem Bett aufwachen statt an der Himmelspforte. Ich für meinen Teil bin zufrieden. :-)



Montag, 16. Mai 2011

Ist das Phantom der Oper echt?

Wer es ganz genau wissen will, kann mich die nächsten neun Tage auf meiner Recherche begleiten. Live-Tweets aus der englischen Hauptstadt halten euch auf dem laufenden darüber, ob meine Suche erfolgreich war.
Wer mir helfen, Hinweise schicken oder mich anfeuern möchte, twittert mit dem Hashtag #lookingforp
Ziel der Mission: Drei Beweise für die reale Existenz des Phantoms!





Beweisstück A

Das Fangirl ist tot. Es hat sich spätestens beim Finale von "Love Never Dies" in Tränen aufgelöst. Man kann von vielem ein Fangirl sein. Von Männern mit hübschen Mündern, Waschbrettbäuchen, knackigen Hintern. Von solchen, die gut singen, von solchen, die die Welt neu erfinden. Aber man kann das Fangirltum und den Respekt nicht unter einen Hut bringen. Ich saß im dunklen Zuschauerraum und war komplett absorbed - es gibt kein gutes deutsches Wort - davon, was auf der Bühne passiert. Es hat mich mitgenommen wie beim ersten Mal. 
Die Änderungen haben der Show gut getan. Sie ist straffer, logischer, magischer. Aber darum geht es gar nicht. Ich denke mittlerweile, dass es eine wirklich passable Show ist, es wird Teil Eins nie erreichen und vieles andere auch nicht, aber es ist dramatisches, gutes Musical mit einigen von Webbers besten Musikstücken. Clever, gleich die Highlights an den Anfang zu stellen. Welcher Zuschauer kann sich nach "Til I hear you sing" und dem Coney Island Waltz noch ernsthaft entziehen? Purer Theaterzauber. Dennoch, all das ist Nebensache. Denn was Ramin Karimloo anstellt, das ist vielleicht das Stärkste, das ich in der Musicaldarstellung je gesehen habe. Er ist zutiefst echt, hat die Rolle so sehr verinnerlicht, dass ich verblüfft feststelle: Er spielt das Phantom nicht mehr. Er ist es. Prüft sich, arbeitet dran, entwickelt es immer weiter. Daran ist das Fangirl gestorben, denn es ist nach so einer Vorstellung nicht denkbar, einen kleinen, hübschen, müden, lieben Mann um ein Autogramm zu bitten. Das wäre fast ein Paradoxon. Oder die Destruktion eines Ideals.
Scheitert meine Mission also schon im ersten Anlauf? Ich werde berichten!


Beweisstück B

Es lebe das Fangirl! Wenn man jemanden wirklich zu schätzen weiß und seine Arbeit für etwas ganz Besonderes hält, dann sollte man es ihm auch sagen. Ich denke, der Freude von fremder Anerkennung kann sich niemand entziehen. Also bin ich über meinen längsten Schatten gesprungen und habe zusammen mit Corinna nach der Vorstellung auf Ramin gewartet. Ich habe ja die Theorie aufgestellt, dass ein Mann, der so gut aussieht und zugleich so talentiert ist nicht existieren kann. Folglich müsste er computergeneriert, von Dreamworks animiert oder von Madame Tussaud's angefertigt worden sein. Die andere Möglichkeit, also die, dass es ihn tatsächlich gibt, würde die Frage auswerfen, ob Batman, Winnetou und Santa Claus nicht auch wirklich existieren.
Etwa fünfundvierzig bange Minuten hat es gedauert, bis ein Mann aus dem Theater trat, der freundlich lächelnd und ein wenig scheu das kleine Grüppchen begrüßte, das sich versammelt hatte. Dadurch dass es Mittwoch Abend und das Theater nicht sehr voll war, waren auch nur eine Handvoll Fans am Stage Door, was den gewaltigen Vorteil hatte, dass man sein gut einstudiertes Sätzchen entspannt loswerden konnte. "I've been in love with the Phantom ever since I was a child - wich was when you were a child actually - and I've never seen anyone perform it like you do. Thank you for that." Mir blieb gar keine Zeit, lang drüber nachzudenken, da hatte ich es schon gesagt. Und bekam ein scheues "Thank you!" und ausgesprochen hübsche Fotos mit Grübchen und einen Händedruck. "Wäschst du die jetzt nicht mehr?", fragte Corinna auf dem Weg ins Pub. "Ah, dafür bin ich schon zu alt, so etwas tu ich heutzutage nicht mehr", antwortete ich. Aber irgendwo in mir drinnen hat ein Fangirl leise geseufzt. Und ja: Er ist wirklich so schön. Er ist wirklich so talentiert. Und er ist echt. Bless him! :-)


Beweisstück C



Sonntag, 15. Mai 2011

Top 11 - Sexiest fictional men

Träumer wie ich haben eigentlich viel mehr fiktive Märchenprinzen als reale. Meine erste große Liebe war zB ein Auto. Ein sprechendes Auto namens K.I.T.T. ;-) Der lockige Typ drinnen war nicht so wichtig, aber diese Autostimme, hach. Aber restlos um mich geschehen war es, als ich auf der Reise nach Bruchtal in einem kleinen Gasthaus in Bree dem traurigen Waldläufer begegnet bin. Immer noch halte ich die Augen offen, ob er nicht doch durch die Straßen der realen Welt streift, um mich zur Elfe zu machen. Falls ihn wer sieht: Bitte sofort bei mir melden!



Freitag, 13. Mai 2011

Meine Zeitreise...

Mitten in Wien steht eine Zeitmaschine. Sie nennt sich Ronacher und hat mich heute im Schnelldurchlauf durch mein erstes Lebensdrittel geschmissen. Schuld daran war das Benefizkonzert "Musicalhits in Wiener Originalbesetzung", das Marjan Shaki und Lukas Perman ins Leben gerufen haben, und das in drei Stunden dreißig Jahre Wiener Musicalgeschichte abgehandelt hat. 
Als zu Beginn Gordon Bovinet den Jellicle Ball anstimmt, mit dem gleiche Akzent wie damals, bin ich wieder das sechsjährige Kind, das den ersten Liebesbrief ihres Lebens schrieb, an eine alte Katze namens Grizabella. Das Kind, das sich vor Macavaty zu Tode fürchtet, das den Rum Tum Tugger für einen Filou hält und tagein tagaus Memory singt. Cats war tatsächlich die erste Theaterliebe meines Lebens.
Als nächste tritt Luzia Nistler auf und singt "Könntest du doch wieder bei mir sein" aus dem Phantom. Auch im Nachhinein betrachtet hatte das Phantom eine undankbare Rolle. Es lag zwischen zwei großen Lieben, und obwohl ich es auch auswendig singen konnte und besonders das Phantom selbst sehr verehrt habe, hat die Liebe mich 1988 mit zehn Jahren so richtig gepackt. Das war das Jahr, als Les Misérables nach Wien kam. Der erste Aufsatz in der Schule, der meine damalige Volksschullehrerin veranlasst hat, mir große schriftstellerische Erfolge vorauszusagen, entstand zum Thema "mein schönstes Erlebnis". Ich schrieb darin über meinen Besuch von Les Misérables. Jedenfalls, als heute Abend Reinhard Brussmann und Norbert Lamla dreiundzwanzig Jahre später wieder auf der Bühne stehen und Les Mis singen, ist es so weit. Tränen. Wo sind die hergekommen? Es muss an der Zeitmaschine gelegen haben. Nebenwirkungen einer zu abrupten Zeitreise. Ich kann es nur so erklären: Diese zwei Stimmen in dieser Kombination, genauso wie Nistler und Goebel im Phantom oder die Wiener Cats Katzen, das war meine Kindheit, und ich schaue mit einem weinenden und einem lachenden Auge zurück. Denn zum ersten Mal seit langem bin ich froh, so alt zu sein wie ich bin Warum? Weil: Ich war dabei! Ich hab es damals miterlebt, mitgeliebt, und das bedeutet mir so viel!



Es folgen Ausschnitte aus Freudiana, Elisabeth und Kuss der Spinnenfrau. Uwe Kröger war angekündigt, ist aber verhindert, was den sehr erfreulichen Nebeneffekt hat, dass ich Elisabeth sogar genießen kann (hehe!). Auch Elisabeth gehört zu meiner Geschichte, aber erstens war ich nie der totale Fan davon und zweitens hab ich mich daran irgendwann sehr satt gehört. Und Kröger geht sowieso gar nicht. Aber für ihn springt Felix Martin ein, was zu weiteren Les Mis Erinnerungen führt. Ethan Freeman singt Kitsch und Maya Hakvoort ein "Ich gehör nur mir", das mich gar nicht erreicht. Sattgehört. Das hab ich mich bei Webber und Boubil/Schönberg nie. Bei Levay schon.
Als nächstes Ausschnitte aus Die Schöne und das Biest und Tanz der Vampire. Ethan Freeman ist echt ein feiner Darsteller und Caroline Vasicek immer noch so süß wie damals. Aber TdV ist es, das mein Meilenstein war, damals, 1997. Was hatte ich darauf gewartet. Meine Teenagerzeit ist nämlich untrennbar mit Jim Steinman und Meat Loaf verbunden. Ich gebe zu, ich war enttäuscht, dass Steinman fast nur altes Material verwendet hat, und hab ihm das bis heute nicht ganz verziehen. So genial jeder seiner Songs ist, so geizig ist er in den letzten fünfzehn Jahren mit neuer Musik gewesen. Und ganz ehrlich gesagt nerven mich manche Nummern heute einfach nur noch. Der ganze Knoblauchquatsch und dieses Abronsiusgelabere langweilen mich extrem, was nicht am hinreißenden Gernot Kranner liegt, sondern an diesen Szenen an sich. Dann aber, vor der Pause des Konzerts, ein Höhepunkt. Cornelia Zenz singt "Totale Finsternis". Stand so am Programmzettel und ich dachte: Hä, wie soll das gehen? Das Ding ist ein Duett. Kurze Drew-Vorfreude, weil, was sonst? Oder? Und dann setzt das Tonband ein. Und es ist perfekt. Traurig. Stimmig. Schön. Denn unter dem Applaus des Publikums singt nicht irgendwer den Grafen mit Zenz, sondern der außergewöhnliche und unvergessene Steve Barton, viel zu früh verstorben, ist, zumindest in Foto und Tonbandstimme plötzlich im Raum. Pause mit sonderbarer Melancholie in der Luft.

Nach der Pause ziehen Chicago und Mozart relativ unbemerkt, wie damals im Theater auch, an mir vorbei. Lenneke Willemsen und Yngve Gasoy-Romdal singen gut und bekommen viel Applaus. Dann Maya Hakvoort, wegen Erkrankung von Eva-Maria Marold solo aus Jekyll & Hyde. Ich möre mich an Wildhorn wiederum nicht so leicht satt wie an Levay. Ich glaub mittlerweile, Levay ist satthörprädestiniert...
Dann Orgelklänge taaaaa-ta-ta-ta-ta-taaaaaa und eine Stimme aus dem Off. Das Phantom ist gelandet. Direkt aus dem Radiosender. Alexander Goebel tritt auf und singt die Musik der Nacht immer noch göttlich. Wenn nicht sogar noch reifer, klüger. Ihn mit aktuellen Phantomen zu vergleichen, macht keinen Sinn. Er ist der Goebel und wird immer den Nostalgiebonus haben. Tiefe Verbeugung.
Und dann Atem anhalten. Denn Hair ist angesagt. Womit wir beim Meilenstein meiner Twen Jahre angekommen wären. Als der übrigens sehr witzig durchs Programm führende Werner Sobotka Drew Sarich ankündigt, kreischen die jungen Mädels im Saal. Ich kreische nicht. Aber ich leuchte irgendwie von innen. 2001 saß ich im Raimund Theater. Das Licht ging aus, das Ensemble sang Aquarius. Und dann kam Drew. Ich kannte ihn nicht. Kein Mensch kannte ihn in Wien. In Deutschland hatte er als Quasimodo im Glöckner begonnen. Und dann war er der Wiener Berger und schlug mich damit feierlich zum Fangirl. Drew in Hair war eine Naturgewalt, jung, schön, lustig, wild, verrückt und wie ein ungeschliffener Diamant. Er wird ein Broadwaystar, sagte ich damals. Er wurde ein Broadwaystar. Und heute Abend leuchte ich, weil alle kreischen, weil ich immer geleuchtet habe und nie gekreischt. Heute singt er Donna, aber er singt es nicht mehr wie ein Rohdiamant, sondern wie ein Broadwaystar. Das ist schön und traurig zugleich. Ich möchte die Zeit zurückdrehen und den Drew von damals zurück. Aber ich will auch all die grandiosen Auftritte seither nicht missen, seinen Valjean, seinen Jesus Christ, seinen Krolock. Für ein einziges Mal noch mit der Zeitmaschine nach 2001, dafür würd ich vieles geben.
Zeitmaschine!!!

Ich mache jetzt die zwei Unsäglichkeiten, die folgen kurz, sonst wird das hier ein Roman. Die tolle Carin Filipcic, sowie Shaki und Perman singen aus Romeo und Julia. Und bei jedem Versuch das gleiche Ergebnis: Diese französischen Musicals werd ich nie mögen. Fahrstuhlmusik (Sorry Sonja, Elli, Andrea!) fällt mir ein. Oder Kaufhausmusik. Beim einen Ohr rein, beim anderen Ohr raus. Könnte es echt auch jetzt nicht nachsummen. Nicht mal ansatzweise. Kein Hauch Shakespeare weit und breit. Und Rebecca? Lassen wir das. Ja, aus dem wurde auch gesungen.
Danach habe ich mich dafür umso mehr über Andreas Biebers "Ich wär so gern ein Producer" aus den Producers gefreut. Das ist Erholung zum Mitsingen nach dem Fahrstuhl und dem Levay. Ich schunkle glücklich und find es schön. Dann noch mal Drew, diesmal mit Lisa Antoni zusammen aus Rudolf. Über das Musical wurde viel geschimpft. Ich halte es zwar immer noch nicht für das Überwerk, aber erstens war es die Rückkehr des lieben Broadwaystars nach Wien, was mir Freude bereitet hat, und zweitens ist es eben Wildhorn und nicht Levay. Wie gesagt, ich höre mich an Wildhorn nicht satt. Ob Jekyll, Scarlet Pimpernel oder vieles in Rudolf (aber nicht die schrecklichen Ensembles!), ich höre es oft und gern, doch nie satt.
Zum Finale singt Frau Sarich Ann Mandrella noch "Was wichtig ist" aus Ich war noch niemals in New York. Ja, hm, das spielt es auch in Wien. Der Song ist ganz nett, gesungen war es sogar sehr nett und die Veranstalter spielten dazu Fotos von hungernden Kindern aus Haiti ein, was politisch sehr nett und korrekt gewesen sein muss. Ich geh es mir trotzdem nicht anschauen.
Nach der Scheckübergabe, über 63.000 Euro Spenden, toll!, gibt es ein Preview auf Sister Act. No ja. Wenn es durchgehend so ist wie dieser Song wird es mich eher selten als Zuseher haben. Drew hin, Drew her. Dann sang der recht gute Chor (von Jerôme Knols durchgehend hübsch in Szene gesetzt) noch aus A Chorus Line und aus war die Zeitreise und emotionale Achterbahnfahrt. Cats, Phantom, Les Mis, Tanz der Vampire, Hair, Producers, Rudolf. Und halt noch ein paar andere Sachen dazwischen. ;-) Die Nostalgie begleitet mich jetzt ins Bett...


Samstag, 7. Mai 2011

Die TOP 11 Romane meines Lebens - Update


Eine äußerst unvollständige Liste...
Das ist ein wagemutiger Versuch, aber mal sehen, was dabei heraus kommt. Ich nehme mir die Freiheit, Buchserien einfach zu zählen, sonst komme ich nicht weit. Ich lasse auch die dramatische Literatur, Sachbücher und Märchen außen vor, schließe allerdings Romane für jedes Alter mit ein. Die Reihenfolge ist mehr oder weniger zufällig.

1. Stephen King "Es"
2. J.R.R. Tolkien "Herr der Ringe"
3. Joanne K. Rowling "Harry Potter"
4. Enid Blyton "Dolly"
5. Walter Moers "Die Stadt der träumenden Bücher"
6. Patrick Süskind "Das Parfum"
7. Haruki Murakami "Naokos Lächeln"
8. Helen Fielding "Bridget Jones"
9. Daniel Glattauer "Gut gegen Nordwind"
10. Michael Ende "Die unendliche Geschichte"
11. Ursula Poznanski "Erebos"

Das war jetzt irgendwie leicht und irgendwie schwer. Denn da ist ja auch noch Elizabeth George, die ich vergöttere, Conni Lubek, die mir so sehr gegen Kummer geholfen hat, da ist der grandiose Koji Suzuki, mein großer Hermann Hesse, Christine Nöstlinger, die Heldin meiner Kindheit, Wolfgang Hohlbein, Neil Gaiman, da sind all die restlichen Stephen King Romane, allen voran "The Stand", und, und, und. Ach herrje, so eine Liste wird wohl nie vollständig sein können. Dennoch. Diese elf Bücher da oben haben schon ein spezielles Regal in meinem Herz, jeder davon hat mich nachhaltig geprägt, daher habe ich mir leichter getan als befürchtet...


Freitag, 6. Mai 2011

Fangirl Again...



Damit hätte auch niemand gerechnet. Mit meinen reifen zweiunddreißigeinhalb Jahren werde ich tatsächlich noch mal zum Fangirl. Das hatte ich zuletzt zu Beginn dieses Jahrtausends, als im Wiener Raimundtheater Hair aufgeführt wurde und der hinreißende Drew Sarich das Bühnenlicht der Weltkarriere erblickte. Damals stand ich mit klopfendem Herzen vorm Haupteingang, bis endlich Einlass war, stürzte zur Besetzungstafel, um zitternd mein Urteil zu lesen: Spielt er oder spielt er nicht?
Sage und schreibe neun Jahre sind seither vergangen. Mit dreindzwanzig ist so ein Verhalten ja durchaus normal oder zumindest weitestgehend toleriert. Aber jenseits der Dreißig sollte man das Fangirltum hinter sich gelassen haben. Jedenfalls dachte ich das. Bis ER kam.
Ramin Karimloo ist genau elf Tage älter als ich. Und eigentlich habe ich mich in seine Stimme verliebt, als ich im vergangenen Jahr in London "Love Never Dies" gesehen habe, die Fortsetzung vom Phantom der Oper. Die Rolle des Phantoms hat es so an sich, dass das Gesicht des Darstellers weitgehend verunstaltet und mittels Maske verhüllt ist. Die Erotik dieser Figur liegt also ganz allein in Stimme und Charakter, was ja auch Hauptthema der Geschichte selbst ist. Jedenfalls hörte ich die grandios gesungene Version von "Til I hear you sing", eines der besten Lieder, das Webber je komponiert hat, hörte sie wieder und wieder und wieder, hingerissen von Schmerz, Leidenschaft und Männlichkeit in dieser Stimme. Und das alles ohne ein Gesicht dazu vor Augen zu haben. Bis zum Jubiläumskonzert 25 Jahre Les Mis. Für alle, die es nicht wissen: Ich bin ein Enjolras-Girl. In jeder Aufführung warte ich ungeduldig auf den Moment, wo die Studenten zum ersten Mal in Paris auftreten: "Where are the leaders of the land? Where are the swells, who run this show?" In neunzig Prozent der Fälle bin ich enttäuscht, denn Enjolras, dieser Anführer der Revolution, muss förmlich vor Leidenschaft explodieren, er muss die Bühne mit seiner Aura zum Leuchten bringen. Das kommt selten vor. Doch beim Jubiläumskonzert ist es passiert. Mit Donner und Blitz. Da stand ein Mann auf der Bühne, der irgendwie so aussah, als hätte ihn ein böswilliger Gott aus dem Himmel geschubst, weil die anderen Engel befunden haben: Der ist zu schön! Dieser Mann stand plötzlich auf der riesigen Bühne, machte den Mund auf und ich war wieder ein Fangirl.
Das geht doch gar nicht. Es ist eigentlich unanständig. Man kann nicht so aussehen, so eine Stimme haben, so ein Schauspieltalent und dann auch noch ein normaler, netter Typ mit Humor sein.  Hetero auch noch! Seit Tagen bin ich jetzt wild durch Youtube gepirscht, auf der Suche nach irgendeinem Fehler. Ein Pickel auf der Nase oder ein schiefer Ton, ein besoffener Auftritt, ein arrogantes Gelaber, irgendwas. Stattdessen finde ich heraus, dass der Kerl auch noch Lieder für seine Band Sheytoons schreibt, von eigentlich jedem Fan, der je beim Bühneneingang gewartet hat als knuffig, lieb und gentlemanlike beschrieben wird und scheinbar nicht nur zu den talentiertesten, sondern auch zu den beliebtesten Musicaldarstellern alive zählt. Einziges wirkliches Manko: Er ist glücklich verheiratet.
Das zweiunddreißigeinhalbjährige Fangirl macht sich jedenfalls nächste Woche zur vor Ort Recherche auf. Weil das geht so nicht! Dieser Mann ist zu toll als dass es ihn wirklich gibt. Daher werde ich  mich höchstpersönlich am Stage Door von Love Never Dies platzieren, um zu überprüfen, ob er nach der Vorstellung
a. die Flügel ausbreitet und heimwärts gen Himmel fliegt,
b. von den Technikern des Theaters an den Akku gehängt und im Fundus verstaut wird oder
c. womöglich nur eine kollektive Wunschvorstellung der weiblichen Erdbevölkerung ist, die in einem Akt gemeinsamer Law of Attraction Telepathie allabendlich zum Leben erweckt wird.
Der dazugehörige Bericht folgt! tbc...

PS: Rrrrrrrrrrrrrrrrrrramin!!! Lass mich die Maske sein! ;o)




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